Die Farbe eines Hämatoms aus dem Foto: was sich messen lässt und was nicht
Zwei Ärzte beschreiben dasselbe Hämatom mit zwei verschiedenen Farben. Ein richtig kalibriertes Foto kann die Farbe messen und die Messung wiederholen. Was sich aus der Farbe dagegen nicht zuverlässig ablesen lässt, ist das Alter des Hämatoms.
Warum eine Beschreibung in Worten nicht reicht
Die Wahrnehmung von Farbe hängt von der Beleuchtung, der umgebenden Haut, dem Bildschirm und dem Betrachter ab. Eine Beschreibung wie „blauviolett mit gelbem Saum“ fällt bei verschiedenen Ärzten unterschiedlich aus und lässt sich bei einer Folgeuntersuchung nicht vergleichen. Die Messung in einem definierten Farbraum liefert eine Zahl, die wiederholbar, über die Zeit vergleichbar und vertretbar ist.
Was „Farbe messen“ bedeutet
Die Farbmessung aus einem Foto überführt die Farbe einer Fläche in den CIELAB-Raum (Helligkeit L*, Achsen a* und b*) und drückt den Abstand zweier Farben als ΔE nach der Formel CIEDE2000 aus, die der menschlichen Wahrnehmung besser entspricht als ältere Formeln. Damit die Zahlen vergleichbar sind, muss der Einfluss des Lichts entfernt werden: Eine Graukarte gleicht den Farbstich der Beleuchtung aus, und eine Farbtafel mit 24 Feldern erlaubt eine Korrekturmatrix für eine ganze Bildserie. Ein Maßstab in Millimetern (Lineal, Kalibrierziel oder LiDAR) ergänzt die Abmessungen des Befunds.
Entscheidend ist der Farbstoff, nicht die Farbe allein
Für die forensische Beurteilung ist wichtiger, welcher Stoff die Farbe verursacht. Melanin dunkelt die ganze Fläche ab und behält einen gelbbraunen Ton. Hämoglobin fügt Farbe hinzu, dunkelt die Haut aber kaum ab, weil das Blut unter intakter Oberhaut liegt. Eingetrocknetes Blut hat einen sehr dunklen rotbraunen Kern. Eine Narbe zeigt sich an dem, was ihr fehlt: an der dunklen Komponente und an der Hautzeichnung. Zur Farbe gehören auch Gleichmäßigkeit, Randschärfe, Oberflächenrauigkeit und der Farbverlauf von der Mitte zum Rand.
Das Alter eines Hämatoms: was die Literatur sagt
Tabellen, die einer Farbe eine Anzahl von Tagen zuordnen, haben sich in neueren Arbeiten nicht bestätigt. Die systematische Übersicht von Maguire et al. (2005) kam zu dem Schluss, dass sich das Alter eines Hämatoms aus seinem Aussehen nicht ausreichend genau bestimmen lässt. Belegt ist nur die gelbe Komponente: Langlois und Gresham (1991) beobachteten sie bei Hämatomen jünger als etwa 18 Stunden nicht. Gelb spricht also dafür, dass ein Hämatom nicht frisch ist, sein Fehlen beweist jedoch nichts. Wie schnell sich die Farbe ändert, hängt von Tiefe und Größe der Blutung, der Lokalisation, dem Alter und dem Zustand der Haut ab.
Wie man fotografiert
- Diffuses Licht ohne direkte Sonne und ohne Blitzreflex, dieselbe Lichtquelle für die ganze Serie.
- Graukarte oder Farbtafel im Bild, in der Ebene der Haut.
- Maßstab in Millimetern und senkrechter Blick auf den Befund.
- Wiederholung unter gleichen Bedingungen, wenn der Verlauf verfolgt wird.
Wie Colorime3ka damit umgeht
Colorime3ka misst die Farbe eines Befunds aus einem Foto oder der Live-Kamera, überführt sie in CIELAB und benennt sie nach ΔE (CIEDE2000), unterscheidet den Farbstoff und beurteilt Form und Oberfläche. Kalibriert wird mit Graukarte und einer Farbtafel mit 24 Feldern, den Maßstab kann die App auch aus LiDAR übernehmen. Prozentangaben drücken die Übereinstimmung der gemessenen Merkmale mit Referenzkriterien aus, keine diagnostische Sicherheit; die Obergrenze liegt bei 85 %. Das Alter eines Hämatoms bestimmt die App bewusst nicht und sagt das auch ausdrücklich.
Literatur
- Langlois NEI, Gresham GA. The ageing of bruises: a review and study of the colour changes with time. Forensic Sci Int. 1991;50(2):227–238. doi:10.1016/0379-0738(91)90154-b
- Maguire S, Mann MK, Sibert J, Kemp A. Can you age bruises accurately in children? A systematic review. Arch Dis Child. 2005;90(2):187–189. doi:10.1136/adc.2003.044073
- Sharma G, Wu W, Dalal EN. The CIEDE2000 color-difference formula: implementation notes, supplementary test data, and mathematical observations. Color Res Appl. 2005;30(1):21–30. doi:10.1002/col.20070